Ökologischer Landbau

Aus FC Schinke09

Gemüsegarten eines Ökobauernhofs... das vermutlich herrlichste Bild, seit es Ökokitsch gibt!
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Gemüsegarten eines Ökobauernhofs... das vermutlich herrlichste Bild, seit es Ökokitsch gibt!

Die Begriffe ökologische Landwirtschaft oder biologische Landwirtschaft bezeichnen die Herstellung von Nahrungsmitteln und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen auf der Grundlage möglichst naturnaher Produktionsmethoden und unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der Ökologie.

Produkte aus ökologischem Anbau werden ohne chemische Pflanzenschutzmittel (Fungizide, Herbizide, Insektizide und andere, zusammen häufig undifferenziert als Pestizide bezeichnet), chemische Wachstumsförderer, chemisch-synthetische Düngemittel und Gentechnik produziert und ohne Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Bestrahlung verarbeitet.

Gekennzeichnet werden Produkte aus ökologischer Landwirtschaft durch das Bio-Siegel und häufig durch die Aufschrift aus kontrolliert biologischem Anbau, abgekürzt kbA.

Gesetzliche Regelungen

Die Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen IFOAM als weltweite Dachorganisation, in der etwa 750 Anbauverbände aus über hundert Nationen organisiert sind, hat Basisrichtlinien für den ökologischen Anbau entwickelt, an denen sich die Gesetzgebung der Europäischen Union und die nationalen Regelungen vieler weiterer Staaten weltweit orientieren.

Die EU-Öko-Verordnung von 1991 definiert für ihren Gültigkeitsbereich, wie landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel, die als Öko-Produkte gekennzeichnet sind, hergestellt und gekennzeichnet werden müssen.

Um eine klare Unterscheidbarkeit zu „konventionell“, also nicht nach ihren Richtlinien hergestellten Lebensmitteln sicherzustellen, schützt die EU-Öko-Verordnung explizit die Begriffe Bio- / Öko-, biologisch / ökologisch, kontrolliert ökologisch / biologisch, biologischer / ökologischer Landbau, biologisch-dynamisch sowie biologisch-organisch. Diese geschützten Begriffe dürfen ausschließlich für Produkte verwendet werden, die mindestens den Kriterien der EU-Öko-Verordnung entsprechen.

1999 wurde die EU-Ökoverdnung durch eine Zusatzverordnung ergänzt, welche die Aufzucht, Kennzeichnung und Kontrolle der wichtigsten Tierarten regelt. Genetisch veränderte Organismen und daraus hergestellte Produkte dürfen im Öko-Landbau und in der Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln nicht verwendet werden.

Bei kontrollierten Bioprodukten weisen außer - nicht immer vorhandenen - geschützen Zusätzen im Produktnamen wie Bio-Kefir vor allem die Kennzeichnung Ökologische Agrarwirtschaft-EWG-Kontrollsystem und die Angabe der Nummer (z.B.: DE-034-Öko-Kontrollstelle) und/oder des Namens der prüfenden Öko-Kontrollstelle, die auf dem Etikett vorhanden sein müssen, darauf hin, dass das Lebensmittel gemäß der EG-Öko-Verordnung hergestellt wurde und welche anerkannte EU-Öko-Kontrollstelle es regelmäßig kontrolliert. Auf dem Etikett kann zusätzlich eine Abbildung des Bio-Siegels auf den Bioanbau hinweisen und/oder der Name und das Logo des Bio-Anbauverbands angegeben sein, falls der Hersteller Mitglied eines solchen ist.

Die Anbauverbände legen für die Vergabe ihres Siegels teilweise noch strengere Maßstäbe zugrunde als die EU-Verordnung.

Inhaltsverzeichnis


Produktionsweisen und -kosten in der ökologischen Landwirtschaft

Bei der ökologischen Pflanzenproduktion wird auf Monokulturen und den Einsatz chemischer Syntheseprodukte wie Fungizide, Herbizide und Insektizide (diese drei werden von den Medien häufig als Pestizide verallgemeinert), Kunstdünger, Wachstumsregulatoren und Antibiotika sowie gentechnisch veränderter Mittel und Produkte verzichtet, stattdessen werden dem Boden durch Mist- oder Güllegaben und Gründüngung möglichst aus eigenen Mitteln Nährstoffe zugeführt. Zur Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen setzt man neben dem Anbau bewährter, robuster Sorten und guten Wachstumsbedingen auch auf die Methoden der biologischen Schädlingsbekämpfung.
Biologische Schädlingsbekämpfung: Polistes Wespe auf der Suche nach Baumwollschädlingen auf einer Farm in South Carolina.
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Biologische Schädlingsbekämpfung: Polistes Wespe auf der Suche nach Baumwollschädlingen auf einer Farm in South Carolina.

Verfahren

Mittels spezieller Anbaumethoden wie Ecofarming oder Permakultur wird teilweise versucht, sich im Kulturanbau den Wachstumsmustern der Natur zu nähern, um mit möglichst geringem Fremdmitteleinsatz einen möglichst hohen Ernteertrag zu erzielen.
In der biologischen Viehwirtschaft wird eine extensive Produktionsform bevorzugt. Der Zukauf von Futtermitteln ist reglementiert, die Verfütterung von Tiermehl und lange Lebendtransporte von Schlachtvieh über große Distanzen sind verboten, der Absatz der Erzeugnisse findet nach Möglichkeit unter den Gesichtspunkten eines regionalen Kreislaufs statt.

Bioverbände in der Bundesrepublik Deutschland

Die Mehrzahl der ökologischen Produzenten haben sich in verschiedenen Anbauverbänden zusammengeschlossen wie z.B. Bioland, Biopark, Naturland, Neuland oder Demeter in Deutschland, welche durch ihre im Vergleich zur EU-Gesetzgebung nochmals strengeren Bestimmungen und Kontrollen dem Verbraucher zusätzlich Produktsicherheit garantieren.

Die Richtlinien der biologischen Anbauverbände unter scheiden sich von denen der EU-Öko-Verordnung (Bio-Siegel) unter anderem in folgenden Punkten:

  • Düngung: Gülle aus Konventioneller Landwirtschaft ist bei den Bio-Verbänden generell nicht erlaubt, während die EU-Öko-Verordnung diese erlaubt, wenn der Bedarf vorher von der Kontrollstelle bestätigt wurde.
  • Maximale Anzahl Tiere pro Hektar: bei den Bio-Verbänden sind dies: 140 Hennen, 280 Hähnchen oder 10 Mastschweine, die EU-Öko-Verordnung erlaubt 230 Hennen, 580 Hähnchen oder 14 Mastschweine.
  • konventionelle Bewirtschaftung: ist nach den Bio-Verbänden natürlich nicht erlaubt. Die EU-Öko-Verordnung erlaubt konventionellen Betrieben, einen Teil ihrer Produktion als "Bio" zu Vermarkten, fordert also keine komplette Umstellung auf biologische Landwirtschaft.
  • Futter: bei den Anbauverbänden muß mindestens 50% des Futters vom eigenen Hof kommen. Das zugekaufte Futter muß bis auf Ausnahmen biologisch erzeugt sein. Nach EU-Öko-Verordnung ist eine eigene Futtermittelproduktion nicht zwingend vorgeschrieben. Das zugekaufte Futter darf zudem zu 5-15% aus konventioneller Landwirtschaft kommen. Außerdem ist das erlaubte Spektrum an Futtermitteln größer, auch Soja ist erlaubt. Für dessen Anbau wurden alleine in Brasilien bisher 1,2 Millionen Hektar tropischer Regenwald gerodet.

Kosten für Endverbraucher und volkswirtschaftliche Kostenbilanz

Die Endpreise für Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft sind für den Konsumenten im Vergleich zu denen für Erzeugnisse aus konventioneller Landwirtschaft zunächst höher: Da in den Bereichen Anbau, Ernte, Transport und Lagerung aufgrund strengerer gesetzlicher Vorschriften für Ökoprodukte in vielen Punkten eine höhere Arbeits- und Managementleistung erforderlich ist, fallen höhere Kosten an, die an den Verbraucher weitergegeben werden müssen, um rentabel wirtschaften zu können. Auch liegen die durchschnittlichen Betriebsgrößen bei Bioerzeugern, Verarbeitern und Händlern meist deutlich unter denen konventionell wirtschaftender Betriebe, was häufig einen Nachteil im Hinblick auf Skalenerträge mit sich bringt.
Es verdichten sich jedoch die Anzeichen, dass die tatsächlichen gesamtvolkswirtschaftlichen Kosten der Ökolandwirtschaft auf dem selben Niveau oder sogar unter denen der konventionellen Produktion liegen, wenn man die indirekten Folgekosten der letzteren für den Steuerzahler oder die Nachwelt in die Rechnung mit einbezieht: Man denke z.B. an die steigenden Kosten für die Aufbereitung des Trinkwassers, die Flächenverluste durch weltweit erodierende Böden oder an die im Gesundheitssystem anfallenden Kosten für die Langzeitversorgung der mit toxischen Stoffen konfrontierten Produzenten und Konsumenten.

Gründe der steigenden Umsatzentwicklung mit Bioprodukten

Die Menge ökologischer erzeugter Produkte hat in der nahen Vergangenheit in fast allen Regionen Europas stetig zugenommen, wobei tendenziell eine positive Korrelation zwischen dem Wohlstand der Gesellschaft und dem Marktvolumen erkennbar ist. Gleichwohl reagiert ein großer Teil der Verbraucher sensibel auf Preisänderungen.
Verpackung eines Öko-Produkts aus der Schweiz mit dem Logo des demeter-Verbandes und dem Knospe-Symbol der Schweizer Bio-Organisation BioSuisse.
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Verpackung eines Öko-Produkts aus der Schweiz mit dem Logo des demeter-Verbandes und dem Knospe-Symbol der Schweizer Bio-Organisation BioSuisse.

Die zunehmende gesellschaftliche Relevanz von Themen wie Gesundheit, Fitness, Schönheit, und Jugend zusammen mit einer nicht abreißenden Reihe negativer Medienberichte über verschiedene Produkte der konventionellen Produktion und die Bedingungen ihrer Herstellung könnte den den Wunsch der Verbraucher nach gesunder Ernährung verstärkt haben und auch zukünftig weiter beeinflussen. In vielen Staaten reagierte die Politik auf das wachsende Wählerinteresse an ökologischen Themen, indem sie ihrerseits Programme zur Förderung der ökologischen Landwirtschaft auflegte. Dennoch sind die regionalen und nationalen Unterschiede im Bereich Bioanbau mitunter beträchtlich. Während z.B. in Österreich die ökologische Landwirtschaft als Graswurzelbewegung begann und noch immer meist auf kleineren Höfen betrieben wird, konnten beispielsweise in Dänemark durch ein gezieltes staatliches Subventionsprogramm auch viele größere Betriebe zum Wechsel zur ökologischen Landwirtschaft bewegt werden. In Deutschland wurde die ökologische Landwirtschaft in der Zeit der rot-grünen Koalitionsregierung unter Kanzler Schröder (SPD) und besonders unter der grünen Ministerin Renate Künast stark gefördert. Der neue Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) zeigt bisher keine Anzeichen für einen grundlegenden Kurswechsel, auch wenn er in Einzelfragen andere Ansichten vertritt als seine Vorgängerin.

Aufgekommen ist diese Form der Landwirtschaft vor allem in den 80ern des letzten Jahrhunderts infolge des allgemein gewachsenen Umweltbewusstseins. Am Anfang standen vereinzelte kleine Bioläden, die sich für einen kleinen Käuferkreis auf ökologische Produkte spezialisiert hatten. Heute findet man Ökoprodukte auch in den meisten konventionellen Supermarktketten, viele davon haben inzwischen eigene Öko-Hausmarken („Füllhorn“, „ALNATURA“) etabliert.

Um eine bessere Unterscheidbarkeit von konventionell und ökologisch hergestellten Lebensmitteln zu ermöglichen, wurde in Deutschland im Jahre 2001 das Bio-Siegel eingeführt, mit dem alle nach EG-Öko-Verordnung hergestellten Produkte freiwillig gekennzeichnet werden dürfen.

Ökologische Pflanzenproduktion

Der ökologische Anbau beruht auf den folgenden Prinzipien und Vorgehensweisen, die den Schutz der Umwelt, die Gesundheit des Verbrauchers und die Qualität des Produktes sichern sollen:

Anbauflächen

  • Zugelassen sind manuell ausgeführte beziehungsweise in begrenztem Umfang auch mechanisch ausgeführte Bearbeitungsprozesse, die zur Förderung der Wurzelbildung, der Regenwürmer und sonstiger nützlicher Mikroorganismen dienen, um die Struktur, die Belüftung und die Speicherung des Wassers in den Böden zu verbessern.
  • Die Anzahl an Arbeitsgängen soll hierbei auf ein Mindestmaß beschränkt werden, was insbesondere für Eingriffe in die tieferen Schichten gilt, die nur nach und nach und zum richtigen Zeitpunkt ausgeführt werden sollen, um die Bodenstruktur zu erhalten und einer Veränderung des Bodenprofils vorzubeugen.
  • Einander ablösende Anpflanzungen müssen unterschiedliche Bodenbeanspruchungen aufweisen und sich ergänzen. Sie dürfen nicht miteinander konkurrieren oder pflanzliche Unverträglichkeiten aufweisen und werden so ausgewählt, dass sie ihr gegenseitiges Wachstum bestmöglich fördern, wie z. B. Getreide und Hülsenfrüchte.

Grüngürtel

An den Grenzen der Anbauflächen wird die Anlage und Pflege von Grüngürteln wegen ihrer günstigen Eigenschaften für die Kulturpflanzen empfohlen: Sie ziehen Insekten an, die die Pflanzen bestäuben sowie sonstige, nutzbringende Insekten, die dazu beitragen, dass Schädlinge auf natürliche Weise bekämpft werden, verschönern die Landschaft und fördern die Erhaltung der biologischen Vielfalt.

Zu diesem Zweck wird empfohlen, als Bodenbedeckung sowohl lebende Pflanzen anzusiedeln (gezüchteter Pflanzenbewuchs), als auch tote organische Materie (Überreste anderer Pflanzen, Forstschnitt, etc.) aufzubringen, die der Bodenerosion vorbeugen, Nährstoffe recyceln, die Aktivität von Mikroben fördern, die Anzahl unerwünschter Kräuter verringern und die Wurzeln schützen.

Düngung und Ertragssteigerung

Die für die ökologische Landwirtschaft gültigen Bestimmungen sehen vor, dass die Düngung und Förderung der biologischen Ertragssteigerung nach folgenden Gesichtspunkten erfolgen müssen:

  • Nutzung natürlicher Mittel zur Ertragssteigerung: Anbau von Hülsenfrüchten, Gründünger, Pflanzen mit tiefreichenden Wurzeln, Rotationsverfahren und Kombination von Anbauflächen.
  • Aufbringung von organischen Düngern tierischen oder pflanzlichen Ursprungs, die den Vorschriften gemäß hergestellt und auf natürlichem Wege erzeugt wurden: pflanzliche Überreste vorhergegangener Ernten, Stroh, Dung, Algen, organische Nebenprodukte aus der Nahrungsmittelindustrie, Humus von Regenwürmern, Pflanzenrinde, etc.

Integrierung von Agrar- und Viehwirtschaft

Die Verbindung von Agrarwirtschaft mit Viehwirtschaft ist eine höchst empfehlenswerte Methode, die zur Selbstversorgung beiträgt:

  • Sie fördert die Fruchtbarkeit der Böden und schließt die natürlichen Zyklen mit Nahrungsmitteln.
  • Es werden auch Gebiete genutzt, die sich nicht als Ackerflächen eignen.
  • Rotation von Anbauflächen wird begünstigt.
  • Produktive und wirtschaftliche Rentabilität wird gesteigert.

Vorbeugung und Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten

Der Einsatz von synthetischen Schädlingsbekämpfungsmitteln ist durch die Bestimmungen zur ökologischen Bewirtschaftung ausdrücklich verboten worden, was dazu führt, dass Alternativen zur Schädlingsbekämpfung nach folgenden Kriterien gefunden werden müssen:

  • Angemessener Umgang mit der nicht kultivierten Vegetation.
  • Externe Grüngürtel und Anpflanzungen zwischen Bäumen oder zwischen den Anbauflächen, in denen sich die natürlichen Feinde der zu bekämpfenden Schädlinge wohlfühlen.
  • Einsatz heimischer Arten, die sich der Umgebung gut angepasst haben.
  • Ausgewogene Düngung, damit die Pflanzen widerstandsfähiger werden.
  • Beschnitt und manuelle Entfernung der befallenen Pflanzenteile.
  • Licht- oder Farbfallen bzw. Luftstromverwirbelungen; Barrieren und Netze für Insekten und Vögel; Asche oder mit Öl bestrichene Bänder gegen Insekten, etc.
  • Pflanzen, die abstoßende Wirkungen auf unerwünschte Eindringlinge haben oder Köderpflanzen, die sie fangen.
  • Eine biologische Kontrolle, die das Ökosystem stabil hält und Schädlingspopulationen auf natürliche Weise reguliert bzw. auf einem Stand erhält, die die Ertragsausbeute der Anpflanzungen nicht beeinträchtigt.
  • Pflanzenschutzmittel in begrenzter Anwendung und in Übereinstimmung mit den Vorschriften der ökologischen Landwirtschaft, wie Konzentrate aus Pflanzen, Schwefel, Natriumcarbonat, Pheromone und mineralische, pflanzliche oder tierische Öle.

Selbsternte

Ein Konzept, ökologisch und zugleich für den Verbraucher kostengünstig zu wirtschaften, ist die Selbsternte: Ein Landwirt bestellt ein Feld mit Gemüse und Feldfrüchten in langen Reihen; das bestellte Feld wird in Querparzellen unterteilt und die Parzellen werden dann einzeln für eine Ernteperiode an Verbraucher vermietet.

Das Konzept der Selbsternte wurde in Österreich entwickelt; derzeit beteiligt sich die Universität Kassel mit einem Projekt auf der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen an der Erforschung und Weiterentwicklung dieser Idee.

Bisherige praktische Erfahrungen aus der Land- und Forstwirtschaft weisen eine negative Korrelation zwischen der Bereitschaft zur Selbsternte und dem Wohlstand einer Gesellschaft auf.

Ökologische Viehzucht

Es ist nur logisch, dass die ökologischen Erwägungen bei der Agrarwirtschaft begonnen haben und nicht bei der Viehzucht, denn die Ernährung der Tiere hängt direkt von der Agrarwirtschaft ab. Nach und nach ist man in der Viehzucht aber den Vorgaben aus der Agrarwirtschaft gefolgt und hat diese auch in die ökologische Produktion miteinbezogen.

Erst etwa 8 Jahre nach der Einführung der Bestimmungen zur landwirtschaftlichen Produktion wurde die Verordnung CE 1804/1999 genehmigt, worin die Prinzipien und spezifischen Kontrollmaßnahmen zur ökologischen Erzeugung von Fleisch und weiterverarbeiteten Tierprodukten festgehalten werden. Der Prozess zur Einbeziehung der Viehzucht wurde durch den Druck der Verbraucher begünstigt, die ihrerseits durch die vielen alarmierenden Meldungen über Krankheiten und sonstige gesundheitsschädliche Vorgänge in der Nahrungsmittelindustrie aufgeschreckt wurden.

Die ökologische Viehwirtschaft basiert auf der Bevorzugung ökologischer Vielfalt, der Bevorzugung von Rassen, die sich ihrem Umfeld am besten angepasst haben und der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten; zudem ist den einheimischen Rassen – bei gleichen Voraussetzungen - Vorrang einzuräumen.

Gentechnisch manipulierte Tiere und von ihnen erzeugte Produkte vertragen sich nicht mit den Prinzipien ökologischer Viehwirtschaft.

Tierschutz

Die Bestimmungen schreiben Unterkünfte in genügender Größe, ausreichende Belüftung und Helligkeit vor. Die ökologische Viehzucht lehnt Massenzuchtmethoden zur Ertragssteigerung, wie die Aufzucht von Tieren auf kleinstem Raum, ständige, künstliche Beleuchtung, etc. ausdrücklich ab.

Die Bewegungsfreiheit der Tiere muss in jedem Falle gewährleistet sein und die natürlichen Aktiv- und Ruhephasen müssen respektiert werden.

Die richtige Ernährung der Tiere basiert auf aus ökologischem Anbau stammenden Produkten. Tierproteine dürfen weder direkt, noch als Beimischung im Futter gefüttert werden. Bei Säugetieren ist die Einhaltung einer bestimmten Stillzeit vorgeschrieben.

Um die Tiere gesund zu erhalten, muss Infektionen und Krankheiten auf bestmögliche Weise vorgebeugt werden: Es werden widerstandsfähige Rassen ausgesucht und für eine ausgewogene Ernährung mit ausgewähltem Futter ebenso gesorgt, wie für die richtige Menge an Viehbestand, etc.

Sollten sich trotz vorbeugender Maßnahmen Gesundheitsprobleme ergeben, werden umgehend Behandlungsmaßnahmen eingeleitet, die die Anforderungen für Ökobetriebe erfüllen. Hierbei werden vorzugsweise pflanzliche oder homöopathische Mittel bzw. Spurenelemente als Medikamente eingesetzt und der Gebrauch von synthetischen Chemieprodukten oder Antibiotika weitestgehend eingeschränkt. Letztgenannte Mittel dürfen in keinem Fall zu Vorbeugungszwecken eingesetzt werden. Ausdrücklich verboten ist jede Form von wachstumsfördernden oder ertragssteigernden Mitteln. Außerdem werden Techniken abgelehnt, die der Synchronisierung der Fruchtbarkeitszyklen auf unnatürlichem Wege dienen, sowie die Übertragung von Embryos und genetische Manipulationen.

Zudem gibt es Vorschriften über den richtigen Transport der Tiere: der Stress für die Tiere muss auf ein Minimum reduziert werden; Beruhigungsmittel für die Transportdauer sind verboten.

Die einzelnen Anbauverbände und Markenfleischprogramme unter den verschiedenen Öko- und Bio-Siegeln unterscheiden sich jedoch in einigen Punkten deutlich voneinander, besonders hinsichtlich Verbot oder Zulassung betäubungsloser Kastrationen und Enthornungen der Tiere.

Monitoring in Deutschland

Am 1. Juli 2003 begann der in Köln ansässige Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel e.V. mit dem Aufbau des Monitoring-Systems für Obst und Gemüse im Naturkosthandel. Seither werden Bio-Obst und Bio-Gemüse systematisch auf Belastungen mit Pestiziden untersucht. Ziel der Überwachung soll sein, mögliche Anbaufehler und Lücken in der Qualitätssicherung aufzudecken und zu dokumentieren, um so zur Qualität der als biologisch erzeugt gehandelten Lebensmittel beizutragen. Das Monitoring-System brachte folgende Verbesserungen für den Naturkostmarkt:

  • koordinierte Rückstandsanalysen in Fachlaboren wurden dauerhafter Bestandteil der Qualitätssicherung
  • Kontaminationen mit Rückständen oder Vermischungen mit konventionellem Erntegut wurden und werden aufgedeckt, Mängel können beseitigt werden
  • Betrugsfälle werden durch flächendeckende und risikoorientierte Probenziehungen effizient entlarvt

Das Monitoring-System spürt als Bio deklariertes konventionelles Obst und Gemüse auf und hält es vom Markt fern und bietet damit Schutz vor Verbrauchertäuschungen . Jeder Rückstandsfund löst außerdem eine gründliche Ursachenforschung aus, wodurch das Projekt zu einer deutlichen Verbesserung der Qualitätssicherung auf allen Ebenen der Erzeugung und des Handels beiträgt. Groß- und Einzelhändler im Naturkostbereich erhalten regelmäßig aktuelle Informationen zum Projektstand und über die Ergebnisse der Analyse-Aktionen. Des Weiteren sammelt das Monitoring-System Daten zur Pestizidbelastung von ökologisch produziertem Obst und Gemüse und bereitet diese systematisch auf.

Das Projekt „Aufbau eines Monitoring-Systems für Obst und Gemüse im Naturkostfachhandel“ läuft im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und wurde vom 1. Juli 2003 bis zum 31. Dezember 2004 vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) finanziell gefördert. Seit 01. Januar 2005 wird das Überwachungssystem vom BNN Herstellung und Handel auf privatrechtlicher Basis weitergeführt und steht allen interessierten Lieferanten von Obst und Gemüse im Naturkosthandel offen.

Im Rahmen des Monitoring werden alle vier Wochen im Naturkost-Großhandel Proben gezogen, welche bundesweit so koordiniert sind, dass ein großer Teil der Obst- und Gemüsesorten, die aktuell im Handel sind, erfasst wird. Die Proben werden im Labor Dr. Specht & Partner in Hamburg und im SGS Institut Fresenius in Berlin nach der Multimethode DFG S19, die mindestens 250 Pestizide erfasst, untersucht. Je nach Gefährdungslage kommen weitere Analyseverfahren zum Einsatz.

Ergebnisse

Bei 95% aller Proben im Monitoring gab es bisher keinerlei Grund zur Beanstandung, bei 86% waren nicht einmal Spuren von Pestiziden nachweisbar. Lediglich 0,7% der Proben überschritten die gesetzliche Höchstmenge an Pestiziden. Zum Vergleich: Bei konventionellem Obst und Gemüse in der EU sind bei mehr als 5% der Proben Höchstmengenüberschreitungen zu beanstanden, insgesamt enthalten nach amtlichen Angaben 40% aller untersuchten pflanzlichen Lebensmittel Pestizidrückstände.

Ein aktuelle Studie von Greenpeace aus dem Jahr 2005, in der 658 Proben von konventionell hergestelltem Obst und Gemüse aus dem Einzel- und Großhandel in Deutschland, Österreich sowie der Schweiz auf ihren Pestizidgehalt hin untersucht wurden, zeigt deutlich, daß biologisch angebautes Obst und Gemüse - wenn überhaupt - wesentlich weniger mit Pestiziden und Pestizidrückständen belastet ist als vergleichbare konventionelle Ware.

Probleme und Konfliktfelder

Da Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft in der Regel höhere Marktpreise erzielen, können kriminelle Produzenten oder Händler versucht sein, konventiell erzeugte Produkte als solche aus ökologischem Anbau auszugeben.

Manche Untersuchungen ergaben auch bei als ökologisch deklarierter Ware erhöhte Belastungen mit Pflanzenschutz- und Konservierungsmitteln oder Fungiziden. Im Allgemeinen ist die Sicherheit für den Verbraucher bei ökologischen Produkten jedoch wegen des relativ engmaschigen Netzes von Kontrollen wesentlich größer als bei konventioneller Ware.

Die amerikanische Ernährungswissenschaftlerin Virginia Worthington kam in einem Review von 41 veröffentlichten wissenschaftlichen Studien, die den Nährwert ökologisch und konventionell angebauten Gemüses, Obstes und Getreides verglichen, zu dem Schluss, dass ökologische Lebensmittel signifikant mehr Nährstoffe verschiedener Gruppen enthalten. Durchschnittlich enthielt Biorohware 27 % mehr Vitamin C, 21,1 % mehr Eisen, 29,3 % mehr Magnesium und 13,6 % mehr Phosphor. Zusätzlich enthielten die Bioprodukte 15,1 % weniger Nitrate als die konventionelle Vergleichgruppe. Dieser behauptete gesundheitliche Vorteil von Bioprodukten bedarf weiterer Untersuchung, unbestreitbar ist hingegen, dass Bioprodukte allgemein weniger mit schädlichen Produktionsrückständen belastet sind und dass die Ökologische Landwirtschaft als ganze eher geeignet ist, die natürlichen Ressourcen zu schonen und die Böden auch für die Zukunft fruchtbar zu erhalten.

Eigentlich selbstverständlich sollte es sein, auch ökologische Früchte vor dem Verzehr gründlich zu waschen, da unabhängig vom Verhalten des Produzenten beispielsweise durch Regen oder Staub und andere Umweltfaktoren belastende Substanzen auf die Produkte gelangen können. Im Zweifelsfall, z.B. in Ermangelung sauberen Wassers sollten die Früchte - wie konventionelle auch - geschält verzehrt werden.

Nicht verschont bleibt auch der Bioanbau von der Saatgutproblematik. Zwar kümmern sich einige, v.a. dem Demeter-Verband angeschlossene Bauern und Institute intensiv um den Erhalt und die traditionelle Weiterzüchtung alter Sorten (sog. „samenfeste“ Sorten, bei Karotten z.B. Rodelika), doch stammen im deutschen Biohandel bei manchen Gemüsesorten inzwischen auch bis zu 95% der angebotenen Ware aus Hybrid-Saatgut. Gute Bioläden kennzeichnen samenfeste Sorten ausdrücklich, um dem Kunden die Wahlfreiheit nach Möglichkeit zu erhalten.

Siehe auch

Literatur

  • Frieder Thomas, Rudolf Vögel:Gute Argumente - Ökologische Landwirtschaft. Beck, München 1989 (Beck'sche Reihe; 378), ISBN 3406331335
  • Sepp Holzer: Der Agrarrebell. Stocker 2002, ISBN 3-7020-0970-1
  • Norbert Knauer: Ökologie und Landwirtschaft. Ulmer (Eugen) 1993, ISBN 3-8001-4094-2
  • Stiftung Ökologie und Landbau (Hrsg): Zeitschrift Ökologie & Landbau, oekom verlag München
  • H. Redelberger (Hrsg.): Management-Handbuch für die ökologische Landwirtschaft. Band 1: Betriebswirtschaftliche Instrumente. ISBN 3-7843-2170-4; Band 2: Verfahren - Kostenrechnungen - Baulösungen. KTBL, Darmstadt 2004, ISBN 3-7843-2167-4
  • Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen: Biomarkt NRW. Düsseldorf 2004
  • Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen: Auf ökologischen Landbau umstellen. Düsseldorf Dezember 2003

Weblinks

Studien: